Eine leichte Krümmung des Penis ist nicht automatisch krankhaft. Wird die Verkrümmung jedoch neu bemerkt, nimmt sie zu oder treten Schmerzen und Probleme beim Geschlechtsverkehr auf, sollte die Ursache urologisch abgeklärt werden. Eine mögliche Erklärung ist die Peyronie-Krankheit, auch Induratio penis plastica genannt. Dabei können Veränderungen im Gewebe zu einer erworbenen Verformung führen.
Woran sich eine erworbene Veränderung erkennen lässt
Betroffene bemerken mitunter einen tastbaren harten Bereich, eine neue Krümmung während der Erektion, eine Einziehung oder Veränderung der Länge. Schmerzen bei der Erektion können auftreten, müssen aber nicht immer vorhanden sein. Auch Schwierigkeiten, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, können dazukommen. Eine seit der Pubertät bestehende, unveränderte Krümmung hat andere mögliche Ursachen als eine neu entstandene oder fortschreitende Verformung.
Warum die zeitliche Entwicklung wichtig ist
Für die Einordnung fragt die Ärztin oder der Arzt, wann die Veränderung begonnen hat, ob sie sich zuletzt verändert hat, ob Schmerzen auftreten und wie stark Erektion und Geschlechtsverkehr beeinträchtigt sind. Die European Association of Urology unterscheidet eine aktive Phase, in der sich Form oder Schmerzen noch verändern können, von einer stabilen Phase. Als Hinweise auf eine Stabilisierung gelten unter anderem abgeklungene Schmerzen und eine über mindestens drei Monate unveränderte Krümmung. Diese Unterscheidung kann beeinflussen, welche Maßnahmen überhaupt sinnvoll sind. Die EAU-Leitlinie zur Penisverkrümmung beschreibt die empfohlenen Untersuchungen und Behandlungsgrundsätze.
So läuft die Untersuchung ab
Zur Untersuchung gehören typischerweise ein Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Dabei wird unter anderem geprüft, ob sich ein Knoten oder eine verhärtete Stelle ertasten lässt. Für die Planung kann außerdem wichtig sein, wie stark die Krümmung bei einer Erektion ausgeprägt ist und ob eine Erektionsstörung vorliegt. Die EAU nennt eine ärztlich angeleitete Fotodokumentation einer natürlichen Erektion als eine mögliche Methode, die Form zu beurteilen. Bildgebung ist nicht in jedem Fall routinemäßig erforderlich.
Behandlung hängt von Beschwerden und Befund ab
Eine Behandlung ist nicht allein deshalb nötig, weil der Penis gekrümmt ist. Entscheidend sind Schmerzen, Verlauf, Erektionsfähigkeit und die Frage, ob die Verformung Sexualität oder Alltag beeinträchtigt. Viele angebotene Tabletten, Cremes oder Geräte versprechen eine schnelle Begradigung; die Studienlage zu zahlreichen konservativen Methoden ist jedoch uneinheitlich. Deshalb sollte man den Penis nicht selbst gewaltsam dehnen oder eine vermeintliche Therapie ohne ärztliche Beratung beginnen.
Operative Eingriffe kommen laut EAU grundsätzlich erst bei stabiler Erkrankung und relevanter Beeinträchtigung des Geschlechtsverkehrs infrage. Vor einer Entscheidung müssen unter anderem Krümmung, Penislänge und Erektionsfunktion berücksichtigt werden. Eine Operation ist daher kein pauschaler nächster Schritt, sondern eine individuelle urologische Entscheidung.
Wann ein Termin sinnvoll ist
Ein Termin in einer urologischen Praxis ist ratsam, wenn sich die Form neu verändert, die Krümmung zunimmt, Schmerzen auftreten oder die Erektion beziehungsweise der Geschlechtsverkehr dadurch schwieriger werden. Je früher die Veränderung fachlich eingeordnet wird, desto besser lässt sich klären, ob eine Erkrankung vorliegt und welche Beobachtung oder Behandlung zum individuellen Befund passt. Aus Scham abzuwarten ist nicht nötig – solche Beschwerden gehören zum urologischen Alltag.




