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Erektionsstörungen bei Kinderwunsch: Wenn Zeitdruck den Sex erschwert

Paar plant ruhig die kommende Woche und spricht einander ermutigend zu

Wenn ein Paar versucht, schwanger zu werden, kann sich Sex plötzlich nach Kalender anfühlen: fruchtbare Tage werden berechnet, Termine rücken näher und jeder Versuch scheint besonders wichtig. Bei manchen Männern wird es dann schwieriger, eine Erektion zu bekommen oder zu halten. Das kann zusätzlich belasten – sagt aber für sich genommen weder etwas über die Fruchtbarkeit noch über die Beziehung aus.

Erektion und Fruchtbarkeit sind nicht dasselbe

Eine Erektionsstörung beschreibt Schwierigkeiten, eine für Sex ausreichende Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Unfruchtbarkeit ist dagegen ein eigener medizinischer Begriff und kann verschiedene Ursachen bei einem oder beiden Partnern haben. Eine Erektion ist für eine natürliche Empfängnis nötig; sie ist aber kein Maß dafür, ob Spermien gesund sind oder ob ein Paar grundsätzlich schwanger werden kann.

Die Belastung einer Kinderwunschbehandlung oder die Sorge, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, kann sexuelle Beschwerden auslösen oder verstärken. Fachleute der American Society for Reproductive Medicine beschreiben, dass sexuelle Funktionsstörungen bei Männern im Zusammenhang mit Kinderwunsch häufig vorkommen und durch den Stress der Empfängnisversuche zunehmen können. Das bedeutet nicht, dass die Ursache immer psychisch ist: Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen, Medikamente, Hormone, Nerven oder seelische Faktoren können beteiligt sein – manchmal mehrere zugleich.

Wenn es nur an bestimmten Tagen passiert

Manche Männer bemerken die Schwierigkeit vor allem dann, wenn Sex an einem bestimmten Tag „klappen muss“, während Erektionen in anderen Situationen möglich sind. Das kann auf einen situativen Einfluss hindeuten, beweist aber keine bestimmte Ursache. Ein einzelner schwieriger Versuch ist außerdem nicht automatisch eine dauerhafte Erektionsstörung. Wiederkehrende Beschwerden verdienen dennoch Aufmerksamkeit, insbesondere wenn sie auch außerhalb der fruchtbaren Tage auftreten oder neu begonnen haben.

Hilfreich kann sein, den Druck nicht als persönliches Versagen zu deuten und mit dem Partner oder der Partnerin ruhig darüber zu sprechen. Fragen Sie gegebenenfalls das Kinderwunsch-Team, wie eng Geschlechtsverkehr tatsächlich auf einzelne Tage gelegt werden muss und welche Möglichkeiten zum Paar passen. Nähe und Sexualität müssen nicht bei jedem Kontakt auf eine Schwangerschaft hinauslaufen.

Wann eine medizinische Abklärung sinnvoll ist

Bei wiederholten Erektionsproblemen kann die Hausarztpraxis, eine urologische Praxis oder ein reproduktionsmedizinisches Team der richtige erste Ansprechpartner sein. Die Abklärung kann wichtig sein, weil erektile Schwierigkeiten manchmal mit behandelbaren gesundheitlichen Faktoren zusammenhängen. Für das Gespräch sind Angaben hilfreich, wann die Beschwerden auftreten, ob sie situationsabhängig sind, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel Sie nehmen und ob sich Libido, Ejakulation oder allgemeine Gesundheit verändert haben.

Eine Ärztin oder ein Arzt kann nach der medizinischen, sexuellen und psychischen Vorgeschichte fragen, eine Untersuchung vornehmen und je nach Situation weitere Tests veranlassen. Bei unerfülltem Kinderwunsch wird die Fruchtbarkeit als eigenes Thema geprüft; sexuelle Funktionsprobleme sollten dabei ebenfalls angesprochen werden. Die Untersuchung betrifft nicht automatisch nur den Mann, denn eine Fertilitätsabklärung betrachtet die Situation des Paares.

Vorsicht mit Testosteron und Potenzmitteln

Beginnen Sie während eines Kinderwunsches keine Hormon- oder Potenzbehandlung auf eigene Faust. Die ASRM weist darauf hin, dass von außen zugeführtes Testosteron die Spermienbildung unterdrücken kann und bei Männern, die eine Empfängnis anstreben, vermieden werden sollte. Besprechen Sie bestehende Testosteronpräparate, Potenzmittel, frei verkäufliche Produkte und Nahrungsergänzungen mit dem behandelnden Team, bevor Sie etwas ändern oder neu einnehmen.

Auch verordnete Arzneimittel sollten Sie nicht selbst absetzen. Eine Fachperson kann prüfen, ob ein Mittel zur Situation passt und welche Alternativen bestehen. Das ist besonders wichtig, wenn weitere Erkrankungen oder Medikamente berücksichtigt werden müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeitdruck beim Kinderwunsch kann sexuelle Schwierigkeiten verstärken, ist aber nicht die einzige mögliche Ursache.
  • Erektionsprobleme und Unfruchtbarkeit sind unterschiedliche Themen; eine Erektion sagt nichts Sicheres über die Spermienqualität aus.
  • Bei wiederholten Beschwerden sollten Sie die Sexualfunktion im Kinderwunsch-Team oder ärztlich ansprechen.
  • Testosteron und Potenzmittel nicht ohne Rücksprache beginnen oder verändern.

Quellen und weiterführende Informationen:

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung oder Diagnose.

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