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PROfertil bei Kinderwunsch: Inhaltsstoffe, Studien und Grenzen

Editorialillustration mit Spermium unter dem Mikroskop, DNA-Helix und Kalender als Symbol für männliche Fruchtbarkeit und Studienzeitraum

PROfertil wird für Männer mit Kinderwunsch angeboten. Der Hersteller bewirbt die Kapseln mit Verbesserungen von Spermienparametern und Schwangerschaftsraten. Für eine sachliche Einordnung muss man jedoch unterscheiden: Ein Nahrungsergänzungs- beziehungsweise diätetisches Produkt ist keine Fruchtbarkeitsdiagnostik, und veränderte Samenwerte garantieren weder eine Schwangerschaft noch eine Geburt.

Was ist PROfertil?

Die Pflichtangaben des Herstellers beschreiben PROfertil als Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke zur diätetischen Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern mit Kinderwunsch. Die Kennzeichnung nennt eine Anwendung unter ärztlicher Aufsicht. Das ist eine andere Produktkategorie als ein zugelassenes Arzneimittel und keine Aussage, dass jede beworbene Wirkung unabhängig bestätigt wurde. Maßgeblich sind die Angaben auf der konkreten Packung und die Regeln des jeweiligen Landes.

Die vom Hersteller angegebene Tagesportion aus zwei Kapseln enthält L-Carnitin, L-Arginin, Coenzym Q10, Vitamin E, Zink, Folsäure, Glutathion und Selen. Die Mengen der Pflichtinformation beziehen sich auf genau diese Rezeptur; Zusammensetzung und Kennzeichnung sollten vor dem Kauf mit der tatsächlich angebotenen Packung abgeglichen werden. Zur Pflichtinformation des Herstellers (PDF).

Was die Studienangaben aussagen – und was nicht

PROfertil führt auf seiner Website mehrere Untersuchungen zur eigenen Rezeptur und zu Samenparametern an. Solche Ergebnisse können für die Forschung interessant sein. Sie beantworten aber nicht automatisch, ob das Präparat bei jedem Mann die Chance auf eine Schwangerschaft oder eine Lebendgeburt erhöht. Dafür sind Studiendesign, Vergleichsgruppe, Ausgangslage des Paares, Dauer und klinischer Endpunkt entscheidend. Eine vom Anbieter genannte Schwangerschaftsrate ist deshalb nicht als persönliche Erfolgswahrscheinlichkeit zu verstehen.

Die aktuelle Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) ordnet die Evidenz zu Antioxidantien bei männlicher Infertilität insgesamt als widersprüchlich ein. Einzelne Übersichten berichten mögliche Vorteile, die Qualität der Studien ist jedoch begrenzt; eine große randomisierte Untersuchung fand keinen Vorteil für Samenparameter, DNA-Integrität oder kumulative Lebendgeburten. Die Leitlinie kann deshalb weder einen bestimmten Antioxidantien-Mix noch ein allgemeines Einnahmeschema verlässlich empfehlen. EAU-Leitlinie: männliche Infertilität.

Auch ein Spermiogramm ist kein alleiniger Fruchtbarkeitstest: Die EAU betont, dass Samenparameter nur Teil der Abklärung sind und für sich nicht sicher zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Männern unterscheiden. Eine Veränderung eines Laborwerts ist außerdem nicht dasselbe wie eine nachgewiesene höhere Schwangerschafts- oder Geburtenrate.

Warum eine Abklärung vor dem Supplement sinnvoll ist

Wenn eine Schwangerschaft nach zwölf Monaten regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr ausbleibt, empfiehlt die EAU, beide Partner gleichzeitig untersuchen zu lassen. Bei Männern gehören dazu je nach Situation die reproduktionsmedizinische Vorgeschichte, eine körperliche Untersuchung und ein Spermiogramm; weitere Untersuchungen richten sich nach dem Befund. Bei bekannten Vorerkrankungen, früheren Operationen oder auffälligen Befunden kann ärztlicher Rat auch früher sinnvoll sein.

Die Kennzeichnung von PROfertil sieht eine medizinische Aufsicht vor. Das ist besonders relevant, wenn bereits andere Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente eingenommen werden: Die Gesamtzufuhr einzelner Nährstoffe kann sich addieren, und die persönliche Gesundheit gehört in die Bewertung. Die Kapseln ersetzen weder die Suche nach möglichen Ursachen noch eine Behandlung, die ein Facharzt oder eine Fachärztin für nötig hält.

Fazit: Produktversprechen von medizinischen Ergebnissen trennen

PROfertil ist ein konkret zusammengesetztes Produkt für die männliche Fertilität, dessen Hersteller mehrere Studien anführt. Die Fachleitlinie bewertet die Evidenz zu Antioxidantien jedoch weiterhin als uneinheitlich und sieht keine Grundlage für eine pauschale Empfehlung. Wer das Präparat erwägt, sollte die Packungsangaben und die individuelle Situation mit medizinischem Fachpersonal besprechen. Bei unerfülltem Kinderwunsch ist die gemeinsame Abklärung des Paares aussagekräftiger als die Selbstbehandlung anhand eines Produktversprechens.

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine individuelle ärztliche oder reproduktionsmedizinische Beratung.

Quellen

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Erektionsstörungen bei Kinderwunsch: Wenn Zeitdruck den Sex erschwert

Paar plant ruhig die kommende Woche und spricht einander ermutigend zu

Wenn ein Paar versucht, schwanger zu werden, kann sich Sex plötzlich nach Kalender anfühlen: fruchtbare Tage werden berechnet, Termine rücken näher und jeder Versuch scheint besonders wichtig. Bei manchen Männern wird es dann schwieriger, eine Erektion zu bekommen oder zu halten. Das kann zusätzlich belasten – sagt aber für sich genommen weder etwas über die Fruchtbarkeit noch über die Beziehung aus.

Erektion und Fruchtbarkeit sind nicht dasselbe

Eine Erektionsstörung beschreibt Schwierigkeiten, eine für Sex ausreichende Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Unfruchtbarkeit ist dagegen ein eigener medizinischer Begriff und kann verschiedene Ursachen bei einem oder beiden Partnern haben. Eine Erektion ist für eine natürliche Empfängnis nötig; sie ist aber kein Maß dafür, ob Spermien gesund sind oder ob ein Paar grundsätzlich schwanger werden kann.

Die Belastung einer Kinderwunschbehandlung oder die Sorge, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, kann sexuelle Beschwerden auslösen oder verstärken. Fachleute der American Society for Reproductive Medicine beschreiben, dass sexuelle Funktionsstörungen bei Männern im Zusammenhang mit Kinderwunsch häufig vorkommen und durch den Stress der Empfängnisversuche zunehmen können. Das bedeutet nicht, dass die Ursache immer psychisch ist: Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen, Medikamente, Hormone, Nerven oder seelische Faktoren können beteiligt sein – manchmal mehrere zugleich.

Wenn es nur an bestimmten Tagen passiert

Manche Männer bemerken die Schwierigkeit vor allem dann, wenn Sex an einem bestimmten Tag „klappen muss“, während Erektionen in anderen Situationen möglich sind. Das kann auf einen situativen Einfluss hindeuten, beweist aber keine bestimmte Ursache. Ein einzelner schwieriger Versuch ist außerdem nicht automatisch eine dauerhafte Erektionsstörung. Wiederkehrende Beschwerden verdienen dennoch Aufmerksamkeit, insbesondere wenn sie auch außerhalb der fruchtbaren Tage auftreten oder neu begonnen haben.

Hilfreich kann sein, den Druck nicht als persönliches Versagen zu deuten und mit dem Partner oder der Partnerin ruhig darüber zu sprechen. Fragen Sie gegebenenfalls das Kinderwunsch-Team, wie eng Geschlechtsverkehr tatsächlich auf einzelne Tage gelegt werden muss und welche Möglichkeiten zum Paar passen. Nähe und Sexualität müssen nicht bei jedem Kontakt auf eine Schwangerschaft hinauslaufen.

Wann eine medizinische Abklärung sinnvoll ist

Bei wiederholten Erektionsproblemen kann die Hausarztpraxis, eine urologische Praxis oder ein reproduktionsmedizinisches Team der richtige erste Ansprechpartner sein. Die Abklärung kann wichtig sein, weil erektile Schwierigkeiten manchmal mit behandelbaren gesundheitlichen Faktoren zusammenhängen. Für das Gespräch sind Angaben hilfreich, wann die Beschwerden auftreten, ob sie situationsabhängig sind, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel Sie nehmen und ob sich Libido, Ejakulation oder allgemeine Gesundheit verändert haben.

Eine Ärztin oder ein Arzt kann nach der medizinischen, sexuellen und psychischen Vorgeschichte fragen, eine Untersuchung vornehmen und je nach Situation weitere Tests veranlassen. Bei unerfülltem Kinderwunsch wird die Fruchtbarkeit als eigenes Thema geprüft; sexuelle Funktionsprobleme sollten dabei ebenfalls angesprochen werden. Die Untersuchung betrifft nicht automatisch nur den Mann, denn eine Fertilitätsabklärung betrachtet die Situation des Paares.

Vorsicht mit Testosteron und Potenzmitteln

Beginnen Sie während eines Kinderwunsches keine Hormon- oder Potenzbehandlung auf eigene Faust. Die ASRM weist darauf hin, dass von außen zugeführtes Testosteron die Spermienbildung unterdrücken kann und bei Männern, die eine Empfängnis anstreben, vermieden werden sollte. Besprechen Sie bestehende Testosteronpräparate, Potenzmittel, frei verkäufliche Produkte und Nahrungsergänzungen mit dem behandelnden Team, bevor Sie etwas ändern oder neu einnehmen.

Auch verordnete Arzneimittel sollten Sie nicht selbst absetzen. Eine Fachperson kann prüfen, ob ein Mittel zur Situation passt und welche Alternativen bestehen. Das ist besonders wichtig, wenn weitere Erkrankungen oder Medikamente berücksichtigt werden müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeitdruck beim Kinderwunsch kann sexuelle Schwierigkeiten verstärken, ist aber nicht die einzige mögliche Ursache.
  • Erektionsprobleme und Unfruchtbarkeit sind unterschiedliche Themen; eine Erektion sagt nichts Sicheres über die Spermienqualität aus.
  • Bei wiederholten Beschwerden sollten Sie die Sexualfunktion im Kinderwunsch-Team oder ärztlich ansprechen.
  • Testosteron und Potenzmittel nicht ohne Rücksprache beginnen oder verändern.

Quellen und weiterführende Informationen:

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung oder Diagnose.