MUSE ist eine verschreibungspflichtige Behandlung bei Erektionsstörungen. Das Einmalsystem bringt den Wirkstoff Alprostadil in die Harnröhre. Es unterscheidet sich damit sowohl von einer Tablette als auch von einer Injektion in den Schwellkörper. Was die Methode leisten kann, für wen sie infrage kommt und welche Risiken wichtig sind, sollte im ärztlichen Gespräch geklärt werden.
Was ist MUSE?
Die Abkürzung MUSE steht für ein transurethrales Arzneimittelsystem mit Alprostadil. Ein steriler Applikator gibt den Wirkstoff als kleines Stäbchen in die Harnröhre ab. Alprostadil ist ein Prostaglandin und kann die Blutgefäße erweitern. Die deutsche Gebrauchsinformation beschreibt MUSE 500 und 1000 Mikrogramm zur Anwendung bei Erwachsenen. Welche Stärke geeignet ist, entscheidet die behandelnde Fachperson.
Wie unterscheidet sich die Anwendung von anderen Alprostadil-Behandlungen?
Bei MUSE wird das Arzneimittel in die Harnröhre eingebracht. Caverject und Edex enthalten ebenfalls Alprostadil, werden aber in den Schwellkörper injiziert. Vitaros ist eine Creme mit einem anderen Applikationsweg. Wirkstoff, Darreichungsform und Anwendung sind nicht austauschbar. Vor der ersten Anwendung soll eine medizinische Fachperson die Handhabung erklären und prüfen, ob die Behandlung zur individuellen Situation passt.
Was zeigen Leitlinien und Studien?
Die Leitlinie der European Association of Urology nennt intraurethrales Alprostadil als mögliche Alternative für gut informierte Männer, die keine orale Behandlung wünschen oder dafür nicht infrage kommen und Injektionen vermeiden möchten. Die Empfehlung ist schwächer als die Empfehlung für PDE-5-Hemmer als Erstlinientherapie. Die Leitlinie betont außerdem, dass die Datenlage begrenzt ist.
In den ausgewerteten Studien erreichten 30 bis 65,9 Prozent der Teilnehmenden eine für Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion. Die große Spanne macht deutlich, dass Studienergebnisse keine persönliche Erfolgswahrscheinlichkeit vorhersagen. Intraurethrales Alprostadil war weniger wirksam als eine Injektion in den Schwellkörper. Auch die langfristige Anwendung wurde nicht von allen Teilnehmenden fortgeführt.
Welche Nebenwirkungen und Risiken sind wichtig?
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören lokale Schmerzen. Die Leitlinie berichtet außerdem über Schwindel und einen möglichen Blutdruckabfall. Seltener wurden Blutungen aus der Harnröhre und Harnwegsinfektionen beschrieben; verlängerte Erektionen und eine Vernarbung des Penis sind selten, aber medizinisch relevant.
Die Gebrauchsinformation nennt Situationen, in denen MUSE nicht angewendet werden darf oder zuvor ärztlich geprüft werden muss. Dazu zählen unter anderem bestimmte Veränderungen oder Entzündungen am Penis beziehungsweise an der Harnröhre, frühere lang anhaltende Erektionen sowie einzelne Blut- und Gerinnungserkrankungen. Die vollständige Liste steht in der Packungsbeilage. Eine Erektion, die vier Stunden oder länger anhält, erfordert sofort medizinische Hilfe.
Was sollte vor einer Behandlung geklärt werden?
Anhaltende Erektionsprobleme können unterschiedliche Ursachen haben. Eine Untersuchung hilft, Begleiterkrankungen und Risikofaktoren zu erkennen und passende Behandlungen zu vergleichen. MUSE sollte nur nach ärztlicher Verordnung und entsprechend der persönlichen Einweisung angewendet werden. Dosis oder Anwendung nicht eigenständig verändern und nicht an andere weitergeben.
MUSE kann für ausgewählte Patienten eine weniger invasive Alternative zur Injektion sein. Es ist jedoch kein rezeptfreies Potenzmittel und keine Erfolgsgarantie. Die Entscheidung hängt von Ursache, Gesundheit, möglichen Gegenanzeigen und den persönlichen Präferenzen ab.
Quellen und weiterführende Informationen
- MUSE: deutsche Gebrauchsinformation für Patienten
- European Association of Urology: Leitlinie zur Behandlung erektiler Dysfunktion
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.




