Bei Niacin lohnt sich ein genauerer Blick: Für dieses B-Vitamin gibt es tatsächlich eine randomisierte Untersuchung zur Erektionsfunktion. Sie wird allerdings leicht aus ihrem Zusammenhang gelöst. Untersucht wurden bestimmte Patienten und eine pharmakologische Anwendung, keine gewöhnliche Multivitamintablette.
Wer an der Studie teilnahm
Die Untersuchung von 2011 umfasste 160 Männer mit Erektionsstörungen und Fettstoffwechselstörung. Über zwölf Wochen erhielten sie Niacin oder Placebo. Die Autoren berichteten Verbesserungen vor allem bei mittelschwerer bis schwerer ED. Die einzelnen Endpunkte und Untergruppen ergaben dabei kein einheitliches Bild.
Warum das nicht auf jede Kapsel passt
Die eingesetzten Mengen lagen weit über einer üblichen Nährstoffzufuhr. Außerdem ist Niacin ein Oberbegriff: Nicotinsäure und Nicotinamid lassen sich nicht für jeden pharmakologischen Zweck austauschen. Ein Etikett mit Vitamin B3 beweist nicht, dass ein Produkt der untersuchten Intervention entspricht.
Die Kehrseite hoher Dosierungen
Nicotinsäure kann Hautrötung und Hitzegefühl auslösen. Bei hohen Dosen sind unter anderem Leberschäden und Störungen der Blutzuckerregulation möglich. Eine solche Einnahme gehört in ärztliche Hände; die Studie ist keine Einladung zum Selbstversuch.
Ein Forschungsbefund mit Grenzen
Das Ergebnis verdient Aufmerksamkeit, rechtfertigt aber keine allgemeine Behandlungsempfehlung für alle Männer mit ED. Für eine Entscheidung zählen Begleiterkrankungen, Medikamente, die genaue Formulierung und die gesamte Evidenz. Gerade bei Niacin ist die Trennung zwischen Ernährung und Arzneimittelwirkung wesentlich: Was als Vitamin verkauft wird, kann in hoher Menge erhebliche pharmakologische Folgen haben.
Quellen und Einordnung
Stand: 28. September 2026. Redaktioneller Informationsartikel anhand der genannten Quellen. Keine individuelle Diagnose oder Behandlungsempfehlung; keine eigene klinische Prüfung des Produkts.




