Eine über- oder unteraktive Schilddrüse kann mit Veränderungen der Sexualfunktion einhergehen. Das bedeutet nicht, dass Erektionsprobleme automatisch auf die Schilddrüse zurückzuführen sind: Gefäßgesundheit, Diabetes, Medikamente, Stimmung, Stress und viele weitere Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen. Entscheidend sind die Beschwerden im Zusammenhang mit der persönlichen Krankengeschichte.
Was die Forschung zum Zusammenhang zeigt
Eine systematische Übersichtsarbeit fand bei Männern mit Schilddrüsenerkrankungen häufig berichtete sexuelle Funktionsprobleme. Die eingeschlossenen Studien waren jedoch klein und unterschiedlich aufgebaut. Solche Daten zeigen eine mögliche Verbindung auf Gruppenebene, beweisen aber nicht, dass eine Schilddrüsenstörung bei einem einzelnen Mann die Ursache seiner Erektionsprobleme ist.
Auch die Empfehlungen unterscheiden zwischen bekannten Schilddrüsenerkrankungen und einer allgemeinen Abklärung von Erektionsproblemen. Eine internationale Fachkonsultation von 2024 empfiehlt, sexuelles Verlangen und Erektionsfunktion bei Männern mit einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse mitzubeurteilen. Schilddrüsenwerte sollen dagegen nicht routinemäßig bei jedem Mann mit sexuellen Beschwerden bestimmt werden. Ob ein Test sinnvoll ist, hängt von den Symptomen und der ärztlichen Einschätzung ab.
Welche Hinweise Sie beim Arztgespräch nennen können
Erwähnen Sie eine bekannte Schilddrüsenerkrankung, frühere Laborwerte und alle eingenommenen Medikamente. Auch andere neue oder anhaltende Veränderungen Ihres Wohlbefindens können wichtig sein. Die Symptome einer Schilddrüsenstörung sind nicht spezifisch; sie allein reichen weder zur Diagnose noch zur Erklärung einer Erektionsstörung aus.
Wenn die Ärztin oder der Arzt eine Untersuchung für angebracht hält, können Bluttests – zum Beispiel TSH und je nach Situation weitere Schilddrüsenwerte – zur Einordnung beitragen. Die Auswahl der Tests richtet sich nach der Vorgeschichte und den Befunden. Ein einzelner Laborwert sollte nicht ohne medizinischen Kontext interpretiert werden.
Behandlung nicht selbst ändern
Wenn Sie bereits Medikamente für die Schilddrüse einnehmen, setzen Sie sie nicht ab und verändern Sie die Dosis nicht eigenständig. Sprechen Sie mit der behandelnden Praxis, falls Sie eine Veränderung Ihrer Sexualfunktion bemerken. Auch Nahrungsergänzungsmittel oder hoch dosierte Jodpräparate sollten Sie nicht als Selbstbehandlung für Erektionsprobleme beginnen: Sie ersetzen keine Diagnose und können für manche Menschen ungeeignet sein.
Wird eine Schilddrüsenstörung festgestellt, richtet sich die Behandlung nach deren Ursache und Ausprägung. Selbst wenn sich Werte und Beschwerden unter Behandlung bessern, ist damit nicht garantiert, dass eine Erektionsstörung vollständig verschwindet. Bleiben die Probleme bestehen, können weitere körperliche oder psychische Faktoren abgeklärt werden.
Wann Sie sich beraten lassen sollten
Wiederkehrende Erektionsprobleme, die Sie belasten, sind ein guter Grund, eine hausärztliche oder urologische Praxis aufzusuchen. Sie können dort gezielt fragen, ob Schilddrüsenwerte in Ihrer Situation sinnvoll sind und welche anderen Ursachen geprüft werden sollten. Eine umfassende Einschätzung kann medizinische, sexuelle und psychische Aspekte berücksichtigen.
Fazit
Schilddrüsenerkrankungen können mit sexuellen Funktionsproblemen zusammenhängen, sind aber keine pauschale Erklärung für Erektionsstörungen. Bei bekannter Über- oder Unterfunktion lohnt es sich, Veränderungen der Erektionsfähigkeit anzusprechen. Ob eine Schilddrüsenuntersuchung nötig ist, entscheidet sich anhand der individuellen Vorgeschichte und Beschwerden.
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine persönliche medizinische Beratung.
Quellen
- Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse: sexuelle Funktionsstörungen bei Männern mit Schilddrüsenerkrankungen
- Fifth International Consultation on Sexual Medicine (2024): Hormonal regulation of men’s sexual desire, arousal, and penile erection
- European Association of Urology (EAU): Management of erectile dysfunction




