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Weniger Lust auf Sex? Ursachen für sinkendes sexuelles Verlangen beim Mann

Das sexuelle Verlangen verändert sich im Laufe des Lebens und kann zeitweise stärker oder schwächer sein. Eine bestimmte Häufigkeit gilt nicht als allgemeiner Maßstab. Relevant wird eine Veränderung vor allem dann, wenn sie anhält, belastet oder gemeinsam mit anderen Beschwerden auftritt. Auch unterschiedliche Bedürfnisse in einer Partnerschaft sind für sich genommen keine Krankheit.

Welche Ursachen kommen infrage?

Geringere Lust hat selten nur eine mögliche Erklärung. Stress, Sorgen, Angst oder eine depressive Erkrankung können das Interesse an Sexualität beeinflussen. Ebenso können Konflikte in einer Beziehung, anhaltende Schmerzen im Beckenbereich oder Erektionsprobleme eine Rolle spielen. Die Europäische Gesellschaft für Urologie nennt außerdem unter anderem bestimmte chronische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenprobleme und manche Medikamente, darunter Antidepressiva, als mögliche Zusammenhänge.

Auch hormonelle Ursachen sind möglich, etwa ein Testosteronmangel oder ein erhöhter Prolaktinwert. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Phase mit weniger Lust auf einen niedrigen Testosteronspiegel zurückzuführen ist. Schlaf, allgemeine Gesundheit, Lebensumstände und persönliche Erwartungen können ebenfalls wichtig sein. Oft wirken mehrere Faktoren zusammen.

Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?

Ein Gespräch in der Hausarztpraxis oder bei einer urologischen Fachperson ist sinnvoll, wenn die Veränderung neu ist und länger anhält, Sie darunter leiden oder weitere Symptome hinzukommen. Dazu zählen beispielsweise anhaltende Erschöpfung, eine gedrückte Stimmung, Erektionsprobleme oder andere auffällige körperliche Veränderungen. Auch wenn Sie vermuten, dass ein Medikament Ihre Lust beeinflusst, sollten Sie das ansprechen. Setzen Sie ein verordnetes Arzneimittel nicht eigenständig ab.

Bei der Abklärung geht es zunächst um den Verlauf und den persönlichen Zusammenhang: Seit wann besteht die Veränderung? Tritt sie in allen Situationen auf? Haben sich Gesundheit, Stimmung, Beziehung oder Medikamente verändert? Eine körperliche Untersuchung kann dazugehören. Blutuntersuchungen auf Hormone richten sich nach der Vorgeschichte und dem Befund; je nach Verdacht können etwa Testosteron, Prolaktin oder Schilddrüsenwerte betrachtet werden.

Testosteron nicht auf Verdacht einnehmen

Ein einzelner niedriger Laborwert reicht für die Diagnose eines Testosteronmangels nicht aus. Die EAU empfiehlt, Testosteron bei entsprechendem klinischem Verdacht morgens und nüchtern zu bestimmen. Ein niedriger Wert soll an einem weiteren Termin bestätigt werden, bevor eine Behandlung erwogen wird. Eine Testosterontherapie kommt bei passenden Beschwerden und bestätigtem Mangel infrage; für Männer mit normalen Testosteronwerten ist sie keine allgemeine Behandlung gegen geringe Lust.

Die Behandlung richtet sich nach dem Auslöser

Je nach Befund kann es helfen, eine Grunderkrankung zu behandeln, Medikamente ärztlich zu überprüfen oder psychische Belastungen gezielt anzugehen. Bei Konflikten oder unterschiedlichen Bedürfnissen können eine Paarberatung oder sexualtherapeutische Unterstützung nützlich sein. Welche Option passt, hängt von der jeweiligen Situation ab. Ein offenes Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ist ein guter erster Schritt.

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine persönliche medizinische Beratung.

Quellen